Als Rechtspraktikant kam Allgäu-Pionier Hermann von Barth am 1. Mai 1869 nach Sonthofen und begann sogleich mit der Erschließung der Allgäuer Alpen. In nur wenigen Monaten bestieg er 44 Gipfel, fertigte noch dazu orographische Schilderungen und geologische Einordnungen in aller Ausführlichkeit an.
Als erster Hochtourist im Allgäu wird er bezeichnet, und in der Tat, erst durch sein großes Interesse für das herrliche
Bergland und durch sein publizistisches Wirken folgten ihm viele andere ambitionierte Gipfelstürmer und Bergwanderer in diese Region von einzigartiger Schönheit.
Schon in den dortigen Bergen erstieg er in kurzer Zeit etliche Gipfel. Gleichgesinnte Partner ließen sich kaum finden, und so entwickelte sich von Barth zu einem mutigen und verwegenen Alleingänger. Die dabei gesammelten Erfahrungen kamen ihm ein Jahr später in den damals noch nahezu unerschlossenen Allgäuer Bergen zugute. Wieder gelangen ihm abenteuerliche Durchquerungen und Besteigungen, einige davon sogar als Erstem. Schlag auf Schlag stand er auf den höchsten und markantesten Punkten: auf dem Großen Krottenkopf, auf Trettach- und Marchspitze, auf Krottenspitze und Öfnerspitze, auf der Wasserfallkarspitze und der Klimmspitze. Besonders angetan hatte es ihm die bis dahin touristisch beinahe unberührte Hornbachkette, und dort erinnert auch die nach ihm benannte Hermann-
von-Barth-Hütte an ihn.
Ein ursprünglicher Gebirgszug ist die Hornbachkette mit Bergen, die nach wie vor eher selten bestiegen werden und zu Hermann von Barths Zeiten nahezu unberührt waren. Wenige folgten seinen rschließungsbemühungen um dieses weite, einsame Gebiet. Trotzdem entschied sich der damals noch junge Akademische Alpenverein München 1896 zum Bau einer kleinen Selbstversorgerhütte. Im Frühsommer 1900 ging man ans Werk, und im August fand die Einweihungsfeier der fertiggestellten Bergunterkunft statt. 1923 wurde das wunderschön gelegene Schutzhaus von der Sektion Düsseldorf des Deutschen Alpenvereins übernommen. Bekannt ist es heute auch für den nahen Klettergarten – ein Kletterparadies, nur fünfzehn Minuten von der Unterkunft entfernt.
Hermann von Barth konnte „seine“ Hütte nie kennen lernen, denn voller Eifer hatte er sich alsbald in die Afrikaforschung gestürzt, reiste 1876 nach Angola, wo ihn eine schwere Tropenkrankheit befiel, die seinem Leben jäh ein Ende setzte. Seine Schriften und Skizzen aber bleiben für das Allgäu ein unschätzbarer Wert.
Wen es heute in die Hornbachkette zieht, der kann – im Gegensatz zu einst – die Hermann-von-Barth-Hütte relativ einfach von Elbigenalp im Lechtal aus erreichen. Vom dortigen Geierwally-Parkplatz benötigt man rund drei bis dreieinhalb Stunden. Wer es dagegen anspruchsvoll mag, der steigt von Oberstdorf aus über einen Abschnitt der sogenannten Steinbockroute hinauf. Zwar braucht man dann zwei Tage mit einem Zwischenstopp auf der Kemptner Hütte, doch bringt man die nötige Erfahrung im hochalpinen Wandern mit oder schließt sich einer Bergschule an, ist es eine großartige Tour.
Die höchstgelegene Schutzhütte der Allgäuer Alpen bietet hoch über dem Lechtal, eine panoramareiche Aussicht auf das Lechquellgebirge und die Lechtaler Alpen.