Für die gut besuchten Veranstaltungen konnte der Verein schon 1932 ein großes Festzelt anschaffen, das 1964 durch eine feste Halle ersetzt wurde. In dieser Halle führen die Wilden Mändle aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums an sieben Veranstaltungsterminen noch bis Oktober ihren Kulttanz auf, der eigentlich nur alle fünf Jahre gezeigt wird.
Dabei geht es dem Verein bis heute um den Erhalt des Brauchtums als ein bedeutendes Stück Identität, aber nicht rückwärtsgewandt, sondern offen für Veränderungen und aufgeschlossen für die Jugend. Ganz im Sinne Oberstdorfs, das fest in der Heimat verwurzelt und doch dem Modernen, dem Wandel der Zeit zugewandt ist, schlägt der Verein eine Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft und nimmt dabei die Menschen mit – Einheimische wie Gäste. So kann jeder, der Oberstdorf besucht, bei Veranstaltungen des Trachtenvereins hautnah Einblicke erhalten in das vielgestaltige Brauchtum des Ortes, ob bei Musik, Tanz oder Theater. Dass der Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf mitten im Leben steht, beweisen die mehr als 900 Mitglieder, die ihn aktuell zu einem der größten Trachtenvereine in Deutschland machen! Jeder Aktive hilft, wenn er gebraucht wird, um die Verbundenheit zum Ort zu demonstrieren, und oft setzt sich das Engagement über Generationen fort. Rund 120 Mitglieder engagieren sich allein bei den Plattler- und
Trachtengruppen, mit für die Jugend jeweils eigenen Abteilungen. Dazu der „Trachdegsang“, die Theatergruppe und natürlich die „Wilden Mändle“. Der Wilde-Mändle-Tanz, der sich nur in Oberstdorf erhalten hat, gilt als einer der ältesten Kulttänze im Alpenraum.
Die schlicht gehaltene Gebirgstracht hat ihre Wurzeln in der bäuerlichen Kleidung, typisch sind die Farben Schwarz, Weiß und Grün. Zur Tracht der Männer und Jungen gehören eine kurze, grün bestickte Lederhose und mit Edelweiß bestickte grüne Hosenträger, dazu ein weißes, kurzärmeliges Hemd, graue gestrickte Kniestrümpfe, schwarze Bundschuhe und ein grüner Velours-Hut mit Gamsbart. Frauen tragen eine puffärmelige weiße Kurzarmbluse, ein schwarzes Samtmieder mit Latz und silbernen Haken, geschnürt mit einer Kette mit Talern, sowie einen grauen Wollrock zur hinten gebundenen grünen Schürze. Ein weißer Unterrock, schwarze Strumpfhosen, schwarze Schuhe und ein schwarzes Samtband, das um den Hals gebunden wird, ergänzen die Tracht. Für junge Mädchen sind weiße Strümpfe vorgesehen.
Die etwas auffallendere historische Tracht wurde für das Trachtenfest 1926 zum 25-jährigen Jubiläum des Trachtenvereins nach historischen Vorlagen rekonstruiert. Dabei tragen Mädchen und Frauen über einer weißen, hochgeschlossenen Bluse mit Puffärmeln ein besticktes Mieder mit Latz aus roter Seide oder rotem Wolltuch, das mit einer silbernen Kette geschnürt wird. Zum knöchellangen, schwarzen Plisseerock gehört eine vorn gebundene Schürze aus bunten Seiden- oder Baumwollstoffen. Dazu ein schwarzes Schultertuch aus Seide oder Spitze. Die Kopfbedeckung für Mädchen und ledige Frauen ist die hochaufragende Reginahaube, während Verheirateten der schwarze Florentinerhut vorbehalten ist. Männer tragen zum weißen Hemd und den roten Hosenträgern aus reich besticktem Stoff oder Leder schwarze, knielange Lederhosen und graue Strümpfe. Die schwarze Zipfelmütze kommt in der Jugendgruppe zum Einsatz, bei den Männern ist es der schwarze „Stopselhut“. Daran tragen Unverheiratete eine silberne, Verheiratete eine goldene Schnur mit Quaste. Beiden gleich ist die schwarze Jacke - hier „Kittel“ genannt - mit Silberknöpfen.
Weitere Informationen findest Du online unter: www.trachtenverein-oberstdorf