Als Rechtspraktikant kam Allgäu-Pionier Hermann von Barth im Mai 1869 nach Sonthofen. Sogleich begann er auch rund um Oberstdorf mit der Erschließung der Allgäuer Alpen, bestieg in nur wenigen Monaten vierundvierzig Gipfel und fertigte noch dazu orografische Schilderungen und geologische Einordnungen an. Als erster Hochtourist im Allgäu wird Hermann von Barth bezeichnet. Ja, erst durch sein publizistisches Wirken folgten ihm viele andere Bergbegeisterte in die Allgäuer Alpen.
historische Bilder: Archiv Heckmair-Auffermann
Schon in den dortigen Bergen konnte er in kurzer Zeit etliche Gipfel besteigen. Die dabei gesammelten Erfahrungen kamen ihm ein Jahr später in den damals noch wenig erschlossenen Allgäuer Bergen zugute. Ihm gelangen abenteuerliche Durchquerungen und Besteigungen, einige davon sogar als Erstem. Mitunter hatte er dabei einen ortskundigen Führer an seiner Seite. Zwei Gulden Entlohnung erhielt der namhafte
Oberstdorfer Bergführer Johann Baptist Schraudolph aus Einödsbach, als den beiden gleich im Sommer 1869 die erste touristische Ersteigung der 2.595 Meter hohen Trettachspitze gelang. Schlag auf Schlag stand von Barth damals auf den höchsten und markantesten Punkten. Besonders angetan hatte es ihm die bis dahin beinahe unberührte Hornbachkette, und dort erinnert auch die Hermann-von-Barth-Hütte an den Allgäu-Pionier.
Dank von Barth entdeckten immer mehr Kletterer die Vorzüge der Region für ihre alpine Leidenschaft. Von überallher kamen sie, um sich in der bisweilen eigenwilligen Charakteristik der Allgäuer Gipfelwelt zu erproben. Es hatte sich herumgesprochen, dass das Allgäu ganz einzigartige Eindrücke für den Bergsteiger bereithält, und da man damals auch immer am alpinen Gesamterlebnis interessiert war, begeisterten die Allgäuer Alpen die Kletterer in jeder Hinsicht. Die ambitionierten Gipfelstürmer und Bergwanderer erlebten ein Gebirge von ganz eigener landschaftlicher Schönheit und wildromantischer Abgeschiedenheit, mit tiefblauen Seen, einsamen Karen und Übergängen, wuchtigen Bergstöcken, schroffen Wänden und senkrechten Felspyramiden, die wiederum die fähigsten Kletterer der damaligen Zeit anlockten.
"Seine" Hütte konnte Hermann von Barth nie kennenlernen, denn voller Eifer hatte er sich auch noch in die Afrikaforschung gestürzt. 1876 reiste er nach Angola. Dort befiel ihn eine schwere Tropenkrankheit, die seinem Leben jäh ein Ende setzte. Seine Schriften und Skizzen aber bleiben für das Allgäu ein unschätzbarer Wert. Heutzutage lässt sich die schön gelegene Hermann-von-Barth-Hütte in der urwüchsigen Hornbachkette am einfachsten aus dem Lechtal von Elbigenalp aus erreichen. Vom Geierwally-Parkplatz benötigt man dazu rund drei bis dreieinhalb Stunden. Wer es dagegen anspruchsvoll mag, der nutzt von Oberstdorf aus einen Abschnitt der sogenannten Steinbockroute. Zwar muss man dann zwei Tage mit einem Zwischenstopp auf der Kemptner Hütte einplanen, doch wer die nötige Erfahrung im hochalpinen Wandern mitbringt oder sich einer Bergschule anschließt, erlebt eine großartige Tour!
Übrigens erinnert auch die Hermann-von-Barth-Straße in Oberstdorf an den wichtigen Erschließer!

Die höchstgelegene Schutzhütte der Allgäuer Alpen bietet hoch über dem Lechtal, eine panoramareiche Aussicht auf das Lechquellgebirge und die Lechtaler Alpen.