Noch 1869, als der berühmte Allgäupionier Hermann von Barth seine Exkursionen aufnahm, fand er in den Bergen kaum einmal markierte und / oder gut angelegte Wege in den höheren Lagen vor. Und auch in den Ortschaften am Fuße der Berge steckte der Tourismus noch in den Kinderschuhen. Nachdem 1871 in Oberstdorf der Verschönerungsverein gegründet worden war, legte er auf eigene Kosten Spazierwege an, stellte Wegweiser auf und fing an, Werbung für die Sommerfrische Oberstdorf zu betreiben.
Mit steigender Zahl der Urlauber und zunehmender Begeisterung für das Bergwandern übernahmen die Alpenvereinssektionen dann die Aufgabe, Bergwege zu planen, anzulegen und zu erhalten. Zumeist wurden mit dem Neubau von Wegen im Hochgebirge einheimische Wegemacher beauftragt. Die rückten mit Schaufel und Spitzhacke zu dieser schweren Arbeit aus und hatten reichlich zu tun. Allen voran die Wegemacherfamilie Klein aus Rubi, die am Allgäuer Hauptkamm fast alle bis 1911 erschlossenen Wege baute. In den Höhenlagen um Oberstdorf machte 1872 die Weganlage am bzw. unterhalb des Nebelhorns den Anfang.
Dabei ziehen in den Sektionen vor allem ehrenamtliche Helfer mit ihrem Arbeitsgerät los, um die Abschnitte in ihrem Gebiet zu betreuen. Das Allgäuer Berggebiet ist unter den hier aktiven DAV-Sektionen aufgeteilt, der jeweilige Wegewart übernimmt dafür die Koordination. So werden zu Beginn der Saison die Wege erstmals kontrolliert, dabei routinemäßig unter anderem von Steinen und Geröll geräumt, Regenablässe geöffnet oder erneuert und Schilder neu angebracht. Sträucher müssen zurückgeschnitten und Wege aus- und freigemäht, größere Schäden aufgenommen werden. Dazu die Einsätze, wenn eine konkrete Schadensmeldung vorliegt.
Denn es kommt vor, dass ein Wegweiser umgestürzt ist, sich ein Drahtseil gelockert hat, der Regen erneut Geröll auf die Wege gebracht hat oder Ähnliches. Meist geht es dann möglichst zeitnah mit einigen Ehrenamtlichen los, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Je schlechter das Wetter und je härter der Winter, desto mehr ist zu tun. Zu schaffen macht mittlerweile der vermehrte Starkregen, der immer mal wieder einige Wegstücke arg in Mitleidenschaft zieht.
Fotos: Archiv Heckmair-Auffermann
Sind umfangreichere Sanierungsmaßnahmen notwendig, dann muss mit Großgerät gearbeitet werden, um zum Beispiel längere abgerutschte Wegabschnitte zu sanieren, neue Trittstufen zu meißeln oder Wasserableiter neu zu legen. Solche Aktionen werden zwischen den einzelnen Sektionen im Allgäu koordiniert und dann mithilfe einer Baufirma erledigt. Und weil diese Kosten zweifellos die Alpenvereinskassen sprengen würden und die Zuschüsse durch die öffentliche Hand allein nicht ausreichen, haben Sponsoren, aber auch private Spenden einen großen Stellenwert. Zwischen Ende Mai und Anfang September sind dann jedes Jahr wieder fast jedes Wochenende die Wegebauer des Alpenvereins auf ihren Kontrollgängen unterwegs, um für uns alle sichere Wege zu gewährleisten – und gibt es mal nichts zu reparieren, freuen sie sich an der herrlichen Allgäuer Landschaft!